Wie sage ich es meiner Mutter: Weinleseempfehlung vom 25.10.22 von Wladimir Kaminer
Wladimir Kaminers Mutter versteht die Welt nicht mehr. Ihre Enkel ziehen vegane Rühreier einer ordentlichen Bulette vor, den früher so geliebten Zoo wollen sie als Ort der Tierquälerei abschaffen, und sogar Omas umweltfreundliche elektrische Fliegenklatsche wird kritisiert. Lange ersehnte Flugreisen gelten plötzlich als böse, und selbst das Internet-Rezept für Gurkensalat hat seine Unschuld verloren. Zeigt es doch, dass ein hinterhältiger Algorithmus steuert, welche Informationen man bekommt. Im Fall von Wladimir Kaminers Mutter sind das eher Kochtipps als Aufrufe zum Klimastreik. Und so leben Oma und Enkel zunehmend auf verschiedenen Planeten. Wladimir Kaminer gibt sein Bestes, seiner Mutter diese neue Welt zu erklären und mit Humor und wechselseitigem Verständnis zwischen den Generationen zu vermitteln - von Biofleisch bis Gendersternchen.
Das mangelnde Licht von Nina Haratischwili
Auf einer Fotoretrospektive in Brüssel, zu Ehren ihrer verstorbenen Freundin Dima, treffen drei Frauen aufeinander, die früher unzertrennlich waren.
Sie wuchsen zusammen in einer Stadt in Georgien auf und gingen später unterschiedliche Wege.
In dieser Ausstellung werden sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und in Rückblenden erzählt die Autorin die Geschichte der vier Freundinnen , die in einem Land aufwuchsen, dass sich unter Perestroika in ein unabhängiges Land verwandelte.
Es schildert die Zeit des Umbruchs, mit all seinen Schwierigkeiten, ein Land das von Krieg, Gewalt und Armut bestimmt war.
Eine einfühlsame Geschichte von einer verlorenen Generation, Liebe , Verrat und Vergebung.
Ein hochaktuelles Buch und sehr lesenswert!
Iglhaut von Katharina Adler
Der neue Roman von Katharina Adler spielt in einem Münchener Mietshaus und schildert das Leben einer
skurrilen Hinterhausnachbarschaft.
Im Mittelpunkt steht Iglhaut, eine Restauratorin, die ihre Werkstatt auf dem Hof hat. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Hier werden Probleme und der neuste Tratsch ausgetauscht. Eines Tages beginnt eine Schriftstellerin, die auch in diesem Haus lebt, heimlich eine Geschichte über die Hausbewohner zu schreiben. Ob das wohl gut ausgeht?
Obwohl Iglhaut eine recht mürrische Person ist, verbirgt sich unter der harten Schale ein weicher Kern.
Es geht um gesellschaftliche Probleme, wie z.B. Wohnungsnot und Armut welche aber liebevoll in diese Geschichte verpackt wurden. Iglhaut, diese freiheitsliebende Frau mit einer Vorliebe für Whiskey-Cocktails, die immer wieder in nachbarschaftliche Angelegenheiten verstrickt wird. Man muss sie einfach mögen!
Das Reich der Vampire von Jay Kristoff
Der „Name des Windes“ meets „Interview mit einem Vampir“ - „Das Reich der Vampire“ ist der Auftaktband der neuen, epischen Fantasy-Serie von Nevernight-Autor Jay Kristoff. Gleich nach Erscheinen stand "Das Reich der Vampire" auf der New-York-Times- und der Sunday-Times Bestsellerliste.
Vor 27 Jahren ging die Sonne unter – und seitdem sind die Armeen der Vampire auf dem Vormarsch. Stück für Stück haben sie ihr ewiges Reich ausgedehnt und den Menschen den Boden streitig gemacht, bis nur noch an wenigen Orten ein unbeschwertes Leben möglich ist. Kleine Inseln des Lichts in einem Meer aus ewiger Finsternis.
Als der junge Gabriel de León sein Heimatdorf verlassen muss, führt ihn sein Weg nach San Michon, zum Orden der Silberwächter, einer heiligen Bruderschaft, die das Reich und die Kirche gegen den Ansturm der Bestien verteidigt. Und noch ahnt er nicht, dass er zur größten Legende des Ordens werden wird – und zur letzten Hoffnung einer sterbenden Welt.
Das Buch beeindruckt nicht nur durch die zahlreichen Illustrationen, sondern auch durch den wunderbaren Schreibstil und eine Welt voller Dunkelheit. Ein Buch, das einem den Atem stocken lässt - ideal zur Herbstzeit.
Erste Person Singular - Weinlese-Empfehlung vom 23.04.22 von Haruki Murakami
Frauen, die verschwinden, eine fiktive Bossa-Nova-Platte von Charlie Parker, ein sprechender Affe und ein Mann, der sich fragt, wie er wurde, was er ist: Die Rätsel um die Menschen, Dinge, Wesen und Momente, die uns für immer prägen, beschäftigen die Ich-Erzähler der acht Geschichten in ›Erste Person Singular‹. Es sind klassische Murakami-Erzähler, die uns in eine Welt aus nostalgischen Jugenderinnerungen, vergangenen Liebschaften, philosophischen Betrachtungen, Literatur, Musik und Baseball entführen. Melancholisch, bestechend intelligent und tragikomisch im allerbesten Wortsinn sind diese Geschichten, die wie beiläufig mit der Grenze zwischen Fiktion und Realität spielen und immer wieder den Verdacht nahelegen, dass Autor und Ich-Erzähler mehr als nur ein paar Gemeinsamkeiten haben.
Berliner Bürgerstuben - Weinlese-Empfehlung vom 23.04.22 von Annett Gröschner
Annett Gröschner ist eine Spaziergängerin im Sinne Theodor Fontanes - wandern muss nicht heißen, zu Fuß zu gehen. Es kann auch eine Straßenbahn sein, das Fahrrad, Schwimmen, eine Reise im Kopf oder Wochen im Archiv.Aber immer kreist alles um Berlin, ihre Wahlheimat, ob sie nun über die Gingkobäume in der Humboldt-Universität, die Villa eines Kapitäns in der Fasanenstraße, Kleingärten, Friedhöfe, verlassene Industriegebiete, das Stadion an der Alten Försterei oder die Regionalexpresslinie 4 schreibt. Wenn sie die Palimpseste der Volksbühne entschlüsselt, mit Frau Globisch fliegt, Annemirl Bauer beim Madonnenmalen zuschaut und Gitti Eicke betrauert, einem Gasableser lauscht, eine syrisch-kurdische Dichterin bei ihrer Ankunft in der Stadt begleitet und Paradigmenwechsel bedauert.Elf Jahre nach »Parzelle Paradies« sind die Geschichten, ist die Geschichte weitergegangen, und Annett Gröschner hat Grund zum Zweifel. Der Verlust ihrer Wohnung durch Eigenbedarfskündigung hat sie in eine Krise gestürzt und zugleich ihren Blick geschärft. Wie kann es gelingen, Berlin als eine Arche zu erhalten, in der alle Platz haben, egal, woher sie kommen.
Der Markisenmann - Weinlese-Empfehlung vom 23.04.22 von Jan Weiler
Was wissen wir schon über unsere Eltern? Meistens viel weniger, als wir denken. Und manchmal gar nichts. Die fünfzehnjährige Kim hat ihren Vater noch nie gesehen, als sie von ihrer Mutter über die Sommerferien zu ihm abgeschoben wird. Der fremde Mann erweist sich auf Anhieb nicht nur als ziemlich seltsam, sondern auch als der erfolgloseste Vertreter der Welt. Aber als sie ihm hilft, seine fürchterlichen Markisen im knallharten Haustürgeschäft zu verkaufen, verändert sich das Leben von Vater und Tochter für immer.
Ein Buch über das Erwachsenwerden und das Altern, über die Geheimnisse in unseren Familien, über Schuld und Verantwortung und das orange-gelbe Flimmern an Sommerabenden.
How to say Ich liebe dich - Weinlese-Empfehlung vom 23.04.22 von Anna Planter, Silvia Zanovello-Sager
Was gibt es Schöneres als eine Liebeserklärung? Aber sag ich’s direkt oder durch die Blume? Mit einer Inszenierung oder einfach einem Kuss? Und wie vermeide ich eine Abfuhr? F. Scott Fitzgerald, Nick Hornby, Annie Proulx, Graham Swift, Arno Geiger, Laura de Weck u.v.a. erzählen von diesen entscheidenden Momenten. Und Daniela Krien zeigt, wie wichtig es ist, den richtigen Zeitpunkt nicht verstreichen zu lassen.
Nastjas Tränen - Weinlese-Empfehlung vom 23.04.22 von Natascha Wodin
Als Natascha Wodin 1992 nach Berlin kommt, sucht sie jemanden, der ihr beim Putzen hilft. Sie gibt eine Annonce auf, und am Ende fällt die Wahl auf eine Frau aus der Ukraine, dem Herkunftsland ihrer Mutter, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde. Nastja, eine Tiefbauingenieurin, konnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im wirtschaftlichen Chaos ihrer Heimat nicht mehr überleben − ihr letztes Gehalt bekam sie in Form eines Säckchens Reis ausgezahlt. Da sie ihren kleinen Enkelsohn und sich selbst nicht länger ernähren kann, steigt sie, auf etwas Einkommen hoffend, in einen Zug von Kiew nach Berlin. Dort gelingt es ihr, mehrere Putzjobs zu finden, nach getaner Arbeit schläft sie auf dem Sofa ihrer Schwester. Zu spät bemerkt sie, dass ihr Touristenvisum abgelaufen ist. Unversehens schlittert sie in das Leben einer Illegalen, wird Teil der riesigen Dunkelziffer an Untergetauchten im Dickicht der neuen, noch wildwüchsigen deutschen Hauptstadt.
Alt werde ich später - Weinlese-Empfehlung vom 23.04.22 von Dr. Med. Marianne Koch
Wie es gelingt, geistig jung, gesund und voller Elan zu bleiben, lebt uns Dr. med. Marianne Koch vor. »Erfolgreich altern« nennt sie das, und was alles dazugehört, erzählt sie hier.
In neun Kapiteln beleuchtet Marianne Koch physiologische wie psychische Aspekte, die das Altern mit sich bringt. Sie geht auf das Selbstbewusstsein ein, auf Ernährung und Bewegung, auf lebenslanges Lernen, das Problem der Einsamkeit, den Umgang mit Verlusten und zeigt, wie wichtig es ist, die Lust am Neuen nicht zu verlieren.