Buchhandlung
am Tierpark

Avalon von Nell Zink

Bran Thomas hat schon früh gelernt, was Verlust bedeutet. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, ihre Mutter starb, nachdem sie die Tochter früh bei Verwandten zurückgelassen hat, um tibetische Nonne zu werden. Für ihre Stieffamilie, die eine Gärtnerei betreibt und allerhand krummen Geschäften nachgeht, ist Bran eine billige Arbeitskraft, aber sie ist klug und schafft die Highschool - nur fehlt ihr eine Perspektive.
Sie lebt in ihrem klapprigen Auto und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, als sie Peter kennenlernt, einen gutaussehenden intellektuellen Überflieger von der Ostküste, der pausenlos Kapitalismuskritik absondert. Bran verliebt sich unsterblich. Während die beiden eine so stürmische wie krisenhafte Fernbeziehung beginnen, stellt Bran ihre katastrophale Existenz immer mehr infrage. Sie weiß, wie man überlebt, aber sie weiß auch: um glücklich zu sein, ist überleben nicht genug.

Wie kann man glücklich werden, wenn es Avalon, das mythische Artusland, nicht mehr gibt? Ein kluges, ironisches, vielschichtiges Buch über eine junge Frau, die auszieht, ihr Glück zu suchen. Kann wahlweise als Gesellschaftskritik an Amerika oder als neuromantisch-ironischer Coming-of-Age-Roman gelesen werden.

Magie und Milchschaum von Travis Baldree

Viv, eine wilde und tapfere Ork-Kriegerin, ist nach Jahren voller Abenteuer und Fährnisse des Kämpfens müde geworden. Sehr zum Unwillen ihrer Gefährten beschließt sie, das Schwert an den Nagel zu hängen – und dafür ein Kaffeehaus zu eröffnen. In der Hafenstadt Thune setzt sie zusammen mit dem Kobold Cal ihren Plan in die Tat um und lockt mit dem exquisiten Getränk schon bald Krieger, Zwerge und Wesen jeglicher Art an ... und leider auch den bösen Elf Fennus, der von Viv ein geheimnisvolles Artefakt stehlen will.

Ein Buch, das die Bezeichnung "cozy fantasy" wirklich verdient hat! Wer Kaffee, Zimtschnecken und Gemütlichkeit mag, ist mit diesem Buch wirklich gut bedient. Aber auch alle, die dem Heißgetränk nichts abgewinnen können, kommen dank der liebevoll geschriebenen Charaktere und der stimmigen Atmosphäre voll auf ihre Kosten.

Winterbienen - Weinleseempfehlung von Norbert Scheuer

Januar 1944: Während über der Eifel britische und amerikanische Bomber kreisen, gerät der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtaugliche Egidius Arimond in höchste Gefahr. Er bringt nicht nur als Fluchthelfer jüdische Flüchtlinge in präparierten Bienenstöcken über die Grenze, er verstrickt sich auch in Frauengeschichten.
Mit großer Intensität erzählt Norbert Scheuer in "Winterbienen" einfühlsam, präzise und spannend von einer Welt, die geprägt ist von Zerstörung und dem Wunsch nach einer friedlichen Zukunft.

Fast Girls - Weinleseempfehlung von Elise Hooper

1936 – trotz aller Vorbehalte gegen die Teilnahme von Frauen gelingt es drei jungen Amerikanerinnen, mit dem Olympischen Team nach Berlin zu reisen: Betty Robinson muss sich nach einem schweren Unfall an die Spitze zurückkämpfen. Die burschikose Außenseiterin Helen Stephens träumt davon, sich als Sprinterin zu beweisen. Und die Schwarze Louise Stokes sieht im Laufen ihre Chance, trotz ihrer Hautfarbe endlich Anerkennung zu finden. Doch als die drei in der hochbrisanten Atmosphäre Berlins um den Titel der schnellsten Frau der Welt laufen wollen, müssen sie erfahren, dass Leistung nicht das Einzige ist, was zählt...

Achtung, Vorurteile - Weinleseempfehlung von Sir Peter Ustinov

„Mehr als die meisten anderen Künste, in denen ich mich in meinen Leben versucht habe, ist dieses Buch über Vorurteile mein Vermächtnis.“ Peter Ustinov
Mit Witz und Charme rückt Peter Ustinov in seinem letzten Buch allen Formen von Vorurteilen zu Leibe. Dabei fängt er natürlich bei sich selbst an. Eine rasante Reise durch das Leben des Sir Peter.

Schwarzer Tiger - Weinleseempfehlung von Twins

Kathleen freut sich darauf, endlich ihre Freundin Claudia wiederzusehen und bei ihr im Dorf Urlaub zu machen. Sie bekommt auch tatsächlich das, was sie sich erhofft: Meer, Strand, Party, Spaß! Und noch viel mehr, denn sie lernt den mysteriösen Marcello kennen, den ein Geheimnis umgibt. Zusammen mit ihm und seinen Freunden fangen ein paar wilde, unberechenbare Tage an. Doch trotz der Leichtigkeit des Sommers spürt Kathleen eine Bedrohung in der Luft liegen, ist Marcello in Gefahr? Und was hat es mit Abschnitt B auf sich? Je mehr die Tage verstreichen, desto mehr erfährt sie von dem Leben der Leute in dem Dorf und nicht alles, was anfangs heil aussah, bleibt es dann auch noch. Marcello und Kathleen nähern sich an und eine leidenschaftliche Liebe flammt zwischen ihnen auf. Doch ist die Liebe auch stark genug, um die Unterschiede zwischen den beiden auszugleichen, kann sie ihn, als den akzeptieren, der er ist? Band 1 Arrival: Kathleen besucht ihre Freundin Claudia auf dem Dorf und besichtigt Vater Berg, dort lernt sie auch Marcello und Gregory kennen, sie kommen sich näher.

Bis ins Mark - Weinleseempfehlung von Stefan Schwarz

Mit Mitte fünfzig bekommt Stefan Schwarz Krebs. Besser gesagt, der Krebs bekommt ihn. Denn Schwarz ist erfahren im Umgang mit existenziellen Verwerfungen: «Wenn das Schicksal zuschlägt, schlage ich zurück!» Wie eine «Marie Kondo der Seele» beginnt er, sein Leben aufzuräumen, und macht dabei überraschende Entdeckungen. Auch legt er die Hast ab, die wir alle in unserem Alltag kennen, den ständigen Druck, mit irgendetwas fertigwerden zu müssen. Und besinnt sich auf die Langsamkeit, den Moment. Von alldem erzählt Stefan Schwarz mit großer Klarheit – und mit seinem einzigartigen Humor, in dem eine ganze Lebensphilosophie steckt. Ruhig, tief und mit wohltuender Selbstironie blickt er auf sein Dasein; innerlich frei und doch um Zukunft kämpfend, schreibt er über das mögliche Ende und das damit verbundene Aufwachen: «Das ist doch der ganze Sinn von Krebs. Dass man aufhört, sich und anderen was vorzumachen, dass man innehält, dass man aufwacht und sich die Augen reibt.»

Susanna - Weinleseempfehlung von Alex Capus

Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, neue sind noch nicht zu haben. In New York wird die Brooklyn Bridge eröffnet, Edisons Glühbirnen erleuchten die Stadt. Mittendrin Susanna, eine Malerin aus Basel, die mit ihrer Mutter nach Amerika ausgewandert ist. Während Maschinen die Welt erobern, kämpfen im Westen die Ureinwohner ums Überleben. Falsche Propheten versprechen das Paradies, die Kavallerie steht mit entsicherten Gewehren bereit. Mit ihrem Sohn reist Susanna ins Dakota-Territorium. Sie will zu Sitting Bull, um ihn zu warnen. Ein Porträt, das sie von ihm malt, hängt heute im State Museum North Dakotas.

1923. Endstation - Weinleseempfehlung von Peter Süß

1923 – Zeitenwende, Höllenritt? Jedenfalls mit Unterhaltungswert für Nachgeborene: Lotte Lenya verkauft das letzte Schmuckstück, das sie sich erschlafen hat, liegt in ihrer Pension und blickt auf das Nijinsky-Plakat an der Wand. Was nun? Bertolt Brecht fällt dreimal durch auf dem Theater und ist danach berühmt. Kurt Tucholsky kann vom Schreiben nicht mehr leben und wird Banklehrling. In Thüringen und Sachsen ist Revolution. Pianist George Antheil kauft sich eine Pistole, um sich bei Konzerten den Weg notfalls freizuschießen. Käthe Kollwitz ist eifersüchtig. Thomas Mann probt den Showdown, Adolf Hitler die Machtergreifung. Otto Dix und George Grosz werden vor Gericht gezerrt und Franz Kafka geht in Steglitz spazieren. Peter Süß erzählt ein denkwürdiges Jahr in Flashbacks wie aus einem nicht ganz glaubhaften Film. Humorvoll, satirisch, bildhaft wie das ganze unvorstellbare Jahr.

Gespräche auf dem Meeresgrund - Weinleseempfehlung von Root Leeb

Was erzählen wir uns nach dem Ende des Lebens? »Und es rollt, fließt, tanzt in mächtigen Wogen. Hin und zurück. Das Licht wirft abwechselnd schwarzgrüne Schatten und glitzernde Netze ins Wasser. Tiefem Dröhnen folgt betäubende Stille. ›Woher kommst du?‹ …« Am Grund des Mittelmeeres, das für so viele Ort der Freude und Erquickung und für Unzählige Ort des Vergessens und namenlose Grabstätte ist, erhält diese Frage Antworten. Drei anfangs namenlose Stimmen, drei Menschen und ihre Schicksale treten hier miteinander in Verbindung und können dabei einander nichts mehr verbergen. Alles offenbart sich. Keine Täuschung gelingt. Und so sinkt im mythischen Element Wasser zwar die Vergangenheit auf den Meeresgrund, doch die Geschichte dieser Leben steigt als Klage gegen Unterdrückung und Zwänge, gegen Missachtung und Qual von Armen und Frauen wieder an die Ufer unserer Gegenwart zurück.