"Der Welten-Express" von Anca Sturm
Die ist der der erste Band einer neuen Jugendbuchtrilogie. Ein Buch über Freundschaft, Liebe und Abenteuer für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren.
Flinn Nachtigall ist ein schüchternes Mädchen . Nacht für Nacht wartet sie am stillgelegtem Bahnhof Weidenborstel auf ihren Bruder , der genau hier , vor zwei Jahren spurlos verschwand. Als eines Abends ein Zug einfährt, fährt sie dort als blinder Passagier mit und stürzt sich in ein spannendes Abenteuer: denn der Zug ist der Weltenexpress, ein fahrendes Internat
voller außergewöhnlicher Jugendlicher.
Doch das größte Geheimnis verbirgt sich in Flinn selbst…
"Oder sind es Sterne" von Eva Munz
Während es en vogue ist, zu seinem Buch eine ganze Playlist auf
Spotify vorzuhalten, geht Eva Munz, Regisseurin und Journalistin, in
ihrem Debütroman von einem einzigen Lied aus, das ihre drei
Protagonisten trägt - und überleben lässt. „Survivor“ von
Destiny´s Child, die Engel aus dem Paradies, hört und sieht der
junge, fromme Sameer aus einem Waisenhaus in Afghanistan kommend, bei seinem Aufenthalt in den sündigen USA, in der Hoffnung, seine Mutter zu treffen, von deren Existenz er nichts wusste, bis sein reicher Onkel Hasir aus Paris ihn dorthin holte. Hasir, der unentschlossen ist, ob er Sameer wirklich zu seiner Mutter, Hasirs Schwester, führen soll, verliebt sich in eine schillernde, junge Frau, die zu dem Song tanzt. Leutnant Ryder hört „Survivor“ im verrückten Mentaltrainingslager, von dem aus er auf seiner geheimen Spezialmission auf den Spuren der Taliban Sameer in den Bergen von Kabul begegnet. Drei Überlebende in 9/11 verknüpft mit dem Hoffnungslied der „drei Engel“.
Für mich DIE Entdeckung des Frühjahrs. Man fragt sich, wie das alles
zusammenpasst und ob es aufgeht, aber das tut es. Eva Munz kann was.
Sprachlich auf hohem Niveau. Das weltverändernde Ereignis des 11. September 2001
verknüpft mit der Hoffnung (auf Liebe), die es auf dieser Welt gibt und die sich in einem einzigen Lied ausdrücken lässt.
Klug, ruhig und gewandt erzählt, spannender Stoff.
Unsere Frühjahrsempfehlungen 2021 aus der Buchhandlung: von
"Der Store" von Rob Hart
Der Store liefert alles. Sieben Tage die Woche, zu jeder Uhrzeit. Von Fußabtretern bis Weihnachtsschmuck.
Zinnia Und Paxton lernen sich bei Cloud kennen, dem weltgrößten (und eigentlich einzigen) Online-Store. Sie beide haben ihre ganz eigenen Gründe, dort zu arbeiten.
Mit "Der Store" liefert Rob Hart eine solide Dystopie ab und zeichnet ein Bild von einer Welt, in der sogar die Politik privatisiert wird, damit das Unternehmen weiter wachsen kann. Zudem inszeniert sich das Unternehmen als guter Arbeitgeber, doch hinter den Kulissen brodelt es. Die Dystopie erscheint beim Lesen gar nicht so fern, vieles erkennt man wieder und fragt sich, wie viel Macht ein einzelner Konzern haben kann.
Geschrieben ist es aus der Perspektive von Zinna, Paxton und dem Gründer des Unternehmens. So kriegt man als Leser nicht nur einen Einblick, was sich hinter den Kulissen eines Weltkonzerns abspielt, sondern auch, wie dieses gegründet wurde und immer größer wurde.
Eine Dystopie, die einen nachdenklich, manchmal wütend, aber manchmal auch ein wenig hoffnungsvoll auf die Zukunft blicken lässt.
"Treue" von Missiroli, Marco
Ein Dozent, der im Verdacht steht, Sex mit einer Studentin gehabt zu haben, den er wirklich gerne hätte und sich dafür verurteilt, dass er ihn nicht bekommt. Der Dekan schaltet sich ein, aber die Welle verebbt. Die Studentin, die keinen Sex mit ihm will, ist überhaupt unentschlossen, was sie will, verlässt Mailand, in dem der Roman spielt. Die Ehefrau, die dem Verdacht nachgeht, es dann aber doch nicht wissen will, schläft mit ihrem eigentlich schwulen Physiotherapeuten, denn dieser Verdacht der Untreue macht etwas mit ihr und der Beziehung zu ihrem Mann. Der Physiotherapeut wird zu einem Freund, der wiederum die Mutter der Ehefrau nach einem Sturz therapiert.
Man begleitet alle diese Figuren bei der Frage: Was ist Treue und ist Treue nicht eher Loyalität, auch zu sich selbst? Ist Untreue der Versuch, sich selbst zu ergründen/ zu finden, ein Abenteuer zu erleben – um auf diese Weise gestärkt in die Beziehung zurückzukehren, da die Untreue nichts mit der Beziehung zu tun hat und ihr nichts anhaben kann?
Es geht um die Lebensrealitäten und -brüche von Männern und Frauen unserer Zeit: Der Dozent sieht sich selbst als Schriftsteller, schreibt aber nur kleine Reisebroschüren, seine Stelle an der Uni ist eine 6-Stunden-Stelle; er möchte das Vermögen seiner Familie nicht annehmen und bringt 800€ nach Hause. Seine Frau ist Immobilienmaklerin und damit die Hauptverdienerin, die das Geld der Familie ihres Mannes annehmen kann.
Es geht auch um die Verunsicherung gerade von Männern im Hinblick auf den Beruf – Männer müssen nicht mehr beweisen, dass sie der Alleinernährer sind und gleichzeitig muss die Miete bezahlt werden und sie können nicht mit nichts nach Hause kommen, wenn sie vom Schreiben nicht leben können, als auch im Hinblick auf das Verhalten gegenüber Frauen – wie geht man damit um, wenn man von einer Frau abgewiesen wird und inwiefern kann man gleichzeitig seine Frau lieben?
Ein sich langsam entwickelnder Roman mit der großen Frage nach dem Umgang mit Begehren.
Gewann Premio Strega Giovanni
Shortlist Premio Strega
Netflix-Serie nach diesem Roman: „Fedeltà“ in 2021
"Was wir wollen" von Meg Mason
Martha und Patrick sind verheiratet, ihre Liebesgeschichte wird in Rückblenden erzählt, gemeinsam mit Marthas Lebensweg. Warum ist sie nicht glücklich, obwohl er alles für sie tut? Sie hat das Gefühl, dass etwas nicht mit ihr stimmt, schon lange, schon seit ihrer Kindheit, doch alle Versuche, dem auf die Schliche zu kommen, verhallen. An ihrem 40. Geburtstag kommt es zum Riesenkrach, bei dem es Patrick reicht und er sie verlässt. Das ist der Punkt, an dem Martha sich selbst besser zu verstehen beginnt.
Großartige Sprache, toller psychologischer Kniff! Ein beeindruckendes Buch aus dem neu gegründeten Ecco-Verlag!
"Adas Raum" von Sharon Dodua Otoo
»Adas Raum« verwebt die Lebensgeschichten vieler Frauen zu einer Reise durch die Jahrhunderte und über Kontinente. Ein überraschender Roman, der davon erzählt, was es bedeutet, Frau zu sein.
Ada erlebt die Ankunft der Portugiesen an der Goldküste des Landes, das einmal Ghana werden wird. Jahrhunderte später wird sie für sich und ihr Baby eine Wohnung in Berlin suchen. In einem Ausstellungskatalog fällt ihr Blick auf ein goldenes Armband, das sie durch die Zeiten und Wandlungen begleitet hat. Ada ist viele Frauen, sie lebt viele Leben. Sie erlebt das Elend, aber auch das Glück, Frau zu sein, sie ist Opfer, leistet Widerstand und kämpft für ihre Unabhängigkeit. Sharon Dodua Otoos Mut und ihre Lust zu erzählen, ihre Neugier, die Vergangenheit und die Gegenwart zu verstehen, machen atemlos.
"Identitti" von Mithu Sanyal
Die von vielen umschwärmte und geschätzte Professorin für Postkolonialismus in Düsseldorf, Saraswati, selbst mit vermeintlich indischem Hintergrund, die in der ersten Seminarstunde gerne mal alle Weißen bittet, den Raum zu verlassen, ist weiß! Mit diesem Skandal beginnt der erste Roman der Sachbuchautorin („Vulva“, „Vergewaltigung“) Sanyal.
Saraswatis Lieblingsstudentin Nivedita, die eigentlich bei Saraswati promovieren wollte, sich jetzt aber fragen muss, ob die Professorin, die eigentlich Sahra Vera Thielmann heißt und aus Karlsruhe kommt und eben biodeutsch ist, nicht die Uni verlassen muss, konfrontiert ihre Professorin mit Fragen, die uns alle angehen: Was ist Identität, was ist Herkunft, was ist Race, wann ist es Rassismus? Die Fragestellungen die auch in den Posts der Sozialen Medien eingestreut werden, die sich mit Saraswati beschäftigen, sind am Puls der Zeit (Stichwort Identitätspolitik) und betreffen uns alle.
Aufgrund seiner jungen, studentischen Sprache vor allem für junge Menschen.
"Aufregende Zeiten" von Naoise Dolan
Debütroman aus Irland: Ava, eine junge Irin, lernt in Hongkong Julian kennen, einen gefestigten Banker, mit dem sie Sex hat und bei dem sie wohnt und mit dem sie über Gott und die Welt spricht, doch „Beziehung“ nennen es beide nicht. Macht es sie zu einer schlechten Feministin, dass sie keine Miete zahlt? Als Julian für Monate verreist und Ava Edith kennenlernt, lernt Ava eine andere, leichtere Art der Beziehungsform kennen. Dann kommt Julian zurück…
Eine junge Frau im Spannungsverhältnis von Selbstbestimmung und Abhängigkeiten, eine sich herantastende Dreiecks-Liebesgeschichte.
Vor allem für junge Menschen geeignet!
"Männer ohne Möbel" von Alexandra Stahl
Debütroman. Spielt im hippen Berlin-Neukölln. Eigentlich gibt es nur Sex, Drogen und so wenig essen wie möglich, und das, obwohl alle sie suchen, die große Liebe. Elli ist ernüchtert davon, versucht es aber trotzdem immer wieder. Das Lebensgefühl einer ganzen Generation in einem Buch - ein toller, junger, schwarzhumoriger und lakonisch erzählter Roman am Puls der Zeit - viele Gesprächspassagen sind auf Englisch geschrieben - bei dem man richtig lachen muss ob der Absurditäten des alltäglichen Lebens.